Schwarze Paprika, Artischocken und Charentais-Melonen
Die Kartoffeln würden in diesem Jahr nichts werden, berichtete ein Verbraucher Biolandwirt Thomas Sablonski, der ihm eine Garten-Selbst-Ernte-Parzelle vermietet. Die Blätter seien vertrocknet und es seien überhaupt keine Kartoffeln zu sehen. Das Schmunzeln konnte der Junglandwirt aus Jüchen sich nicht verkneifen, erklärte seinem Gartenparzellen-Mieter aber gerne, dass das ganz normal sei und die reifen Kartoffeln unter der Erde lägen. Erleichterung machte sich bei seinem Kunden breit.
Biobauer Sablonski aus Jüchen vermietet nun seit drei Jahren 90 m2 große Parzellen zum Selbsternten an Gartenfreunde. Angefangen hat er mit 34 Parzellen, inzwischen sind es 56 Gemüsefelder, die er von Mitte Mai bis Mitte Oktober für jeweils 180 € an insgesamt 60 Familien vermietet. Der 29-Jährige stellt Land und Saatgut zur Verfügung und übernimmt die Aussaat. „Da ist von allen heimischen Gemüsesorten etwas dabei: Porree, Rote Beete, Fenchel, Spitzkohl und Mangold“, erzählt der gelernte Landwirt und führt aus: „Die Leute freuen sich darüber. Denn hier stoßen sie auch auf Gemüse, das sie sich normalerweise nicht kaufen würden, weil sie es nicht kennen.“
Die Leute, die sich auf den Parzellen austoben, kommen häufig aus der angrenzenden Stadt Mönchengladbach. „Sie haben keinen Garten und finden es interessant, ihr eigenes Gemüse zu züchten. Die meisten suchen einen Ausgleich zum Bürojob. Aber es sind auch viele junge Familien und alleinerziehende Mütter dabei, die ihren Kindern eine gute Ernährungsbildung mit auf den Weg geben wollen“, so der Jungbauer.
Die Pflege der Gemüseparzelle müssen die Verbraucher eigenverantwortlich übernehmen. „Ich hatte zuerst Bedenken, dass die Leute mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln arbeiten wollen, wie sie es von ihrer Gartenarbeit gewöhnt sind. Als Biobauer wären solche Verunreinigungen tödlich für meinen Betrieb. Aber es ist alles gut gegangen und die Leute ziehen das Unkraut per Hand raus“, berichtet er.
Sablonskis vermietbare Gemüsefelder sind aber weitaus mehr als nur ein Feld zum Unkraut jäten und ernten für Gartenfreunde. Mit den Gemüseparzellen hat Sablonski einen idealen Aufhänger für Öffentlichkeitsarbeit gefunden, denn er weckt damit das Interesse vieler Verbraucher und so kann er sie für die Landwirtschaft insgesamt inte¬ressieren. „Es ist mir wichtig, Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft zu betreiben, damit das Image in der Bevölkerung positiv bleibt“, meint er.
Schon zahlreichen Schulklassen und Besuchergruppen hat er seinen 33 ha großen Biobetrieb vorgestellt, wo er Freilandgemüse wie Sellerie, Rosenkohl, Wirsing und Steckrüben, aber auch Roggen, Weizen, Triticale, Ackerbohnen und Kartoffeln in vielseitiger Fruchtfolge anbaut. In einem 2 300 m2 großen Folientunnel pflanzt er Tomaten, Auberginen, Paprika und Melonen an. Besondere Hingucker für den interessierten Verbraucher sind dabei: Schwarze Paprika auf Grund ihrer Farbe sowie Charentais-Melonen und Artischocken, da den Pflanzen die deutschen Temperaturen unverhoffter Weise genügen. Auf dem Hof gibt es auch einige Tiere zu sehen: Sablonski hält 1 000 Masthähnchen, 140 Gänse, 60 Enten, alle in Freilandhaltung, und Damwild.
Auch international betreibt er Öffentlichkeitsarbeit: Zwei Praktikanten aus Osteuropa arbeiten jeweils für ein halbes Jahr über die gemeinnützige Austauschorganisation „Logo“ auf seinem Betrieb. Zudem gibt er jedes Jahr sechs Waldorfschülern die Gelegenheit, ihr Schulpraktikum auf seinem Betrieb zu absolvieren.
Ein richtiger Familienbetrieb
Bei Thomas Sablonski ist die ganze Familie eingebunden: Seine Mutter Margret und sein Stiefvater Franz-Josef Essers vermarkten die eignen Erzeugnisse im Hofladen, seine Freundin Claudia Pesch verkauft hofeigene und zugekaufte Produkte auf Wochenmärkten.
Dabei war der Betrieb ursprünglich nicht als traditioneller Familienbetrieb angelegt – Thomas Sablonski ist quer eingestiegen. Eigentlich wollte er als Sohn eines Metzgers und einer Versicherungskauffrau, also ohne eigenen Hof, immer den Beruf des Schreiners ergreifen – auch noch vor 14 Jahren, als er mit seiner Mutter auf den Hof seines Stiefvaters zog. Doch vergebens suchte er eine Ausbildungsstelle.
Und Landwirt werden? Seine Großeltern hatten in der Landwirtschaft gearbeitet und rieten ihm ab: Zu viel Arbeit, zu wenig Geld hieß es. Dem allen zum Trotz absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre und leistete seinen Zivildienst als landwirtschaftlicher Betriebshelfer ab. Nachdem er seinen Staatlich Geprüften in der Tasche hatte, übernahm er den Hof. „Im Endeffekt bin ich in die Landwirtschaft reingerutscht, aber ich kann mir heute keinen besseren Beruf für mich vorstellen und bin definitiv Landwirt aus Leidenschaft“, sagt er überzeugt. Insbesondere die Vielseitigkeit gefällt ihm an dem Beruf. „Man ist von allem etwas: Vom Mechaniker, über den Buchhalter und Einzelhandelskaufmann, bis hin zum Marketingexperten.“ Seine Erzeugnisse vermarktet er selbst, teils über den Hofladen, teilweise über eine Biosupermarktkette und über einen Biogroßhändler. „Ich bin mein eigener Chef und kann selbst frei entscheiden, was für meinen Betrieb das Beste ist – das ist toll am Bauer sein“, betont er. Er hat auch nicht das Bedürfnis, in Urlaub zu fahren. Nur das zweite Wochenende im September, wenn das Schützenfest stattfindet, nimmt er sich vier Tage frei. Zum Ausgleich geht er auch ein Mal die Woche Billardspielen.
Verständnis gewonne
„Das Schönste ist, dass die Leute durch die Arbeit auf den Gemüseparzellen Lebensmittel viel mehr schätzen“, weiß Sablonski. „Wenn sie erst einmal selbst das Unkraut entfernt haben, mit ansehen mussten, wie eine Trockenheit die kleine Gemüseernte zu Nichte macht und wie viel körperliche und zeitliche Arbeit hinter einem Erzeugnis steckt, schätzen sie unsere Produkte mehr“, freut er sich über das gewonnene Verständnis in der Bevölkerung. Viele würden sogar nachdenklich sagen, dass die Nahrungsmittel teurer sein müssten, für die Arbeit, die dahinter stecke. In solchen Momenten fühlt sich der Junglandwirt rundherum verstanden und erklärt auch gerne noch mal, dass Kartoffeln nicht über der Erdoberfläche wachsen.
