Arbeit mit Leidenschaft – die deutschen Bauern

Im Obstbau zählen Sorgfalt und höchste Qualität

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Bilder: Obsthof Schäfer in Rheinland-Pfalz

Ein großes Schild weist Besuchern den Weg zum Obsthof Schäfer in Dieblich an der Mosel. Einladend leuchten die Geranien vor den Fenstern des Hofladens. Hier bietet der 46-jährige Gärtnermeister Norbert Schäfer seinen Stammkunden je nach Saison frische Äpfel, Pfirsiche und Pflaumen sowie leckeren Apfelsaft und Obstbrände aus der eigenen Brennerei an. Und die Kunden kommen gern, denn sie schätzen die frischen Früchte. Norbert Schäfer ist Obstbauer aus Leidenschaft und Überzeugung. Unterstützt von seiner Frau Gertrud, die als Berufsschullehrerin angehende Hauswirtschafterinnen ausbildet, bewirtschaftet er den Obstbaubetrieb. Die 15-jährige Tochter Franziska besucht noch die Schule.

Auf 19 ha Fläche wachsen auf dem Obsthof Schäfer Äpfel, Roter Weinbergspfirsich und Zwetschen. Der Betrieb ist schon seit Generationen in Familienbesitz, seit 200 Jahren auch unter dem heutigen Namen, berichtet Norbert Schäfer. „Der Betrieb war früher ein typischer bäuerlicher Mischbetrieb“, sagt er. Die Spezialisierung der Familie auf Obstbau war ein wenig den äußeren Rahmenbedingungen geschuldet. „Bis in die 50er Jahre hinein gab es hier keine Höfeordnung, dadurch wurden die Flächen unseres Betriebs immer kleiner“, sagt der Gärtnermeister. Die Höfeordnung wird gebraucht, wenn ein Hof vererbt wird. Sie verhindert, dass der Hof gleichmäßig unter den Erben aufgeteilt wird und stellt so sicher, dass alle Flächen aus betriebswirtschaftlichen Gründen beim Betriebsnachfolger bleiben. Bevor die Höfeordnung galt, wurden die Betriebe in der Region mit jedem Generationswechsel mehr zerstückelt. So entwickelte sich eine kleine Betriebsstruktur.

Der Obsthof hat versucht sich „breit“ aufzustellen. So betreibt Schäfer neben Obstanbau und Direktvermarktung eine Brennerei. Hier veredelt er verschiedenste Obstarten zu hochwertigen Obstbränden. Man riecht es gleich. Über dem Hofgebäude liegt ein leicht süßlich-vergorener Geruch aus den Fässern, in denen das Obst für den nächsten Brenngang wartet. Der Gärtnermeister erklärt: „Die Brennerei betreibe ich im Lohnbetrieb. Das heißt, Obstbauern aus der Region bringen ihre Ware zu mir und ich verarbeite sie weiter.“ Brennen darf er nur an bestimmten Tagen und muss das vorher beim Zoll anmelden. Da nimmt es der Staat sehr genau. „Alles muss akribisch dokumentiert werden, ich habe pro Brenntag sicher 30 Minuten reinen Schreibaufwand“, berichtet er. Neben dem Brennen läuft der eigentliche Obstanbau natürlich weiter.

Schäfer setzt in seinem Betrieb auf Nachhaltigkeit in der Produktion. „Wir arbeiten eng mit der offiziellen Beratung und der Forschung zusammen. Für mich ist es wichtig einen engen Draht zur Wissenschaft zu haben.“ Schäfer ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft integrierter Obstbau in Rheinland-Pfalz. Das hier ein Profi Obst anbaut, bleibt kaum verborgen. In Reih und Glied stehen seine Apfelbäume, man sieht ihnen an, dass sie gesund sind. Der Obstbauer arbeitet im Pflanzenschutz mit Vorhersage-Modellen. Diese geben ganz genau Auskunft, wann mit welchen Krankheiten oder Schädlingen zu rechnen ist. „Auf Grundlage der Vorhersagen kann ich gezielt Maßnahmen ergreifen“, beschreibt der 46-jährige den großen Vorteil. Als es diese modernen Methoden noch nicht gab, habe man häufig vorsorgend gespritzt, heute braucht er wesentlich weniger Pflanzenschutzmittel. Schäfer setzt im Obstbau auf den integrierten Anbau nach dem Motto: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“ Dies ist wirtschaftlich und er schont damit auch die Nützlinge auf seinen Feldern. „Etwas Besseres als eine große Menge Marienkäfer auf meinen Bäumen kann mir im Sommer nicht passieren. Die Käfer fressen die Blattläuse, die ich sonst selber bekämpfen müsste“, sagt Schäfer.

Im Apfelanbau ist viel Sorgfalt gefragt. Wenn im August die ersten Sorten erntereif sind, beginnt ein Team von etwa acht bis zwölf Saisonarbeitskräften mit dem Pflücken. Rund 100 bis 150 Kilo Äpfel schafft ein Pflücker pro Stunde. Dabei darf ein Apfel nie tiefer als fünf Zentimeter fallen, sonst bekommt die Frucht Druckstellen. Kurze Wege und eine professionelle Kühlung garantieren seinen Kunden immer die absolute Frische.
Kritisch schaut der Gärtnermeister auf die Supermärkte, die Obst oft zu Billigpreisen verschleudern. Wenn sich der Preisdruck auf Obstbaubetriebe fortsetzt, dann werden viele Betriebe aufgeben müssen. Für die Landschaft in Rheinland-Pfalz hätte das schlimme Folgen. „Viele Flächen würden gar nicht mehr bewirtschaftet, sie würden von Bäumen und Büschen zurückerobert“, erklärt der Landwirt. Die Artenvielfalt, die hier herrscht, ginge unwiederbringlich verloren. Viele Vogelarten und auch Insekten sind auf das Zusammenspiel zwischen bewirtschafteten Flächen und Wald angewiesen. Einerseits brauchen die Tiere Futterflächen, andererseits Ruhe- und Bruträume. „Die Natur, wie wir sie lieben, lässt sich nur durch die Bewirtschaftung erhalten“, ist sein Fazit.

Doch Schäfer sieht auch andere Gefahren für den Obstbau. Zunehmend steigen die witterungsbedingten Risiken an. Insbesondere Unwetterschäden wie Hagel oder Stürme bedrohen ganze Ernten. Bisher gibt es für den einzelnen Obstbauern wenige Möglichkeiten der Risikovorsorge. Die Landwirte schließen zwar eine Hagelversicherung ab, die mit 800 Euro je Hektar Fläche im Jahr relativ teuer ist. Der Gärtnermeister würde es begrüßen, wenn hier politisch etwas getan würde. So könnte und müsste eine staatliche Unterstützung der Risikoabsicherung, wie in Nachbarländern praktiziert, helfen wetterbedingte Risiken besser abzusichern. Ob der Obsthof Schäfer einmal weitergeführt wird, ist derzeit noch offen. Norbert Schäfers Ziel ist es, den Betrieb zukunftsorientiert weiter zu entwickeln und wirtschaftlich gesund zu erhalten.

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